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Beweissicherung und Biodiversitätsmonitoring in den Kernzonen und im Wirtschaftswald

Erste Erhebungssaison erfolgreich abgeschlossen!

Expertinnen und Experten verschiedener Fachbereiche erheben die Entwicklung in den Kernzonen und dem Wirtschaftswald im Biosphärenpark Wienerwald. Ökologin und Projektleiterin des Biosphärenpark Wienerwald MMag. Irene Drozdowski (2.v.l.) erfuhr bei einem Workshop die ersten Ergebnisse. Foto: BPWW

Foto: Gernot Kunz

Foto: Wolfgang Trimmel

Im heurigen Jahr wurde mit der Ersterhebung von dreizehn verschiedenen Organismengruppen in den Kernzonen sowie im Wirtschaftswald eines der größten Monitoringprojekte in Österreich und das bisher größte Projekt des Biosphärenpark Wienerwald gestartet.

Es soll die Entwicklung der Natur in den Kernzonen dokumentieren. Untersucht werden Fledermäuse, Vögel, Amphibien, Landschnecken, Totholzkäfer, Laufkäfer, Spinnen, Weberknechte, Pseudoskorpione, höhere Pflanzen, Moose, Flechten und Pilze. Die Ersterhebung läuft aktuell zwei Jahre. Die Ergebnisse werden 2015 präsentiert. Mit dem jetzt genau erfassten Zustand der Kernzonen können in Zukunft wichtige Informationen zur Entwicklung der Artenvielfalt, aber auch zu etwaigen Veränderungen der Lebensräume in Kernzonen und im Wirtschaftswald gewonnen werden.

Der Wald in den insgesamt 37 Kernzonen mit einer Gesamt-Fläche von mehr als 5.000 Hektar (5% der Biosphärenpark-Fläche) soll sich nach den Zielen der UNESCO zum „Urwald von morgen“ entwickeln. Zahlreiche Waldtypen – vom trockenen Flaumeichen-Wald über die Wienerwald-typischen Buchenwälder bis zum nassen Schwarzerlen-Bruchwald – sind in den Kernzonen enthalten. „Seit dem Jahr 2003 sind die Kernzonen durch Verträge zwischen Grundeigentümern und den Ländern Wien und NÖ forstlich außer Nutzung gestellt. In Niederösterreich wurden die Kernzonen zu Naturschutzgebieten erklärt. Die Wiener Kernzonen sind als Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen. Damit ist der Schutz der wertvollen Natur auch gesetzlich langfristig gesichert“, erläutert die Projektleiterin des Biosphärenpark Wienerwald MMag. Irene Drozdowski.

Totholz ist Leben!
In den Kernzonen kann sich wieder eine natürliche Walddynamik entwickeln, von der zahlreiche – heute oft sehr seltene – Arten abhängig sind. Die Bäume können ihr natürliches Alter von vielen hunderten Jahren erreichen. Absterbende und tote Bäume verbleiben in vollem Umfang im Wald. Sie sind als Totholz eine der bedeutendsten Grundlagen für die Artenvielfalt im Wald. Tausende Arten sind direkt oder indirekt von Totholz abhängig. Je nach Besonnung, Feuchtigkeit, Zersetzungsgrad und Dimension des Holzes wird es von ganz unterschiedlichen Arten besiedelt. Besonders wertvoll sind dicke, alte, stehende Bäume.

Aktuell nachgewiesen wurde zum Beispiel der sehr seltene „Bleiche Alteichen-Nachtbock“. Er ist auf alte Eichenbestände mit ausreichendem Totholzangebot an warmen, trockenen Standorten angewiesen. In Österreich ist dieser Bockkäfer nur bei Klein St. Veit (Kärnten), Herberstein (Steiermark) und im Biosphärenpark Wienerwald nachgewiesen.

Der Weißrückenspecht, der „Urwaldspecht“ Mitteleuropas, wurde bisher als sehr seltener Brutvogel des Wienerwaldes eingestuft. Die Art ist sehr wählerisch in der Auswahl der Brutbäume und baut die Höhlen fast ausschließlich in gänzlich abgestorbene Bäume oder stärkere Äste. Die aktuelle Erhebung zeigt, dass die Art in fast allen Kernzonen vorkommt und im Wienerwald im Gegensatz zur bisherigen Meinung stellenweise nicht selten ist.

Erstellt am: 16.12.2012

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