Der Habichtskauz im Biosphärenpark Wienerwald
50 Habichtskäuze gleiten übers weite Land

- v.l.n.r. Plattner, Leditznig, Januskovecz, Pernkopf, Arnold, Zink, Martys, Wagner, Frey

- Einer der freigelassenen Habichtskäuze im Wienerwald (Foto: R.Zink)
Am 2. Mai 2011 wurden einige entzückende, plüschige Jungeulen des Habichtskauz-Projekts in Anwesenheit der drei Projektträger: Land Niederösterreich, Forschungsinstitut fürWildtierkunde und Ökologie (FIWI) und Österreichische Bundesforste (ÖBf) der Öffentlichkeitim NÖ Landesmuseum (St.Pölten) präsentiert. Bevor die Habichtskäuzchen freigelassen werden, erhält jedes seinen Namen. Der Biosphärenpark Wienerwald hat die Patenschaft über den Kauz "Richard" übernommen.
Gegen Mitte des 20. Jahrhunderts verschwand der Habichtskauz aus Österreich. Sein ungewöhnlich vertrautes Verhalten gegenüber uns Menschen führte seinerzeit häufig zu Abschüssen. Im angebrochenen 21. Jahrhundert ist die Unterstützung des Habichtskauz-Projekts durch die Jägerschaft ein Meilenstein am Weg ihrer erfolgreichen Wiederansiedlung.
Start ins 3. Frühjahr!
„Zu Projektbeginn, war es unser Ziel, jährlich 10 Jungkäuze freizulassen“ so Walter Arnold, Vorstand des Forschungsinstituts. Unser Anliegen, Habichtskäuze in menschlicher Obhut zu züchten, fand so großen Anklang, dass wir heute von mehr als 20 zoologisch und privat geführten Institutionen im In- und Ausland unterstützt werden. „Dieses Artenschutz-Projekt zeichnet sich daher einerseits durch außerordentliche Nachzuchtergebnisse, andererseits durch fundierte Erfolgskontrolle im Freiland aus“, so Arnold. „In den ersten beiden Projektjahren konnten – auch für uns völlig unerwartet - insgesamt 50 Habichtskäuze freigelassen werden“, ergänzt der Wissenschaftler.
Die ersten Paare finden sich.
Seit 2009 wurden Jungkäuze jeden Frühsommer am Freilassungsplatz in geräumigen Gehegen auf das Leben im Wald vorbereitet. Rund drei Wochen später konnten sie den Schutz der Voliere verlassen und begannen, die Geheimnisse des Waldes in ihrem Umfeld zu erkunden. Beliebter Treffpunkt der „Halbstarken“ war vorerst ein reich gedeckter Futtertisch in vertrauter Nähe. Bis zum Spätsommer verteilten sich die mit Sendern ausgestatteten Vögel in weitem Umkreis. Distanzen von mehr als 100km konnten telemetrisch nachgewiesen werden. Trotzdem es nachweislich gerade in den beiden letzten Wintern besonders wenige Mäuse als Nahrungsgrundlage gab, haben die meisten Vögel diese Zeit gut überstanden. Wen wundert’s, dass in den ersten lauen Frühlingsnächten heftiges Liebeswerben mancher Habichtskäuze zu hören war. Zahlreiche Nistkästen (40x40x60cm) wurden in den beiden Freilassungsregionen in schwindelerregender Höhe montiert und von ersten Habichtskauz-Paaren inspiziert.
Hinein ins Leben
„Das Land Niederosterreich ist nach der Steiermark das waldreichste österreichische Bundesland. Deshalb ist es naheliegend, dass Niederösterreich für die Heimkehr der großen Waldeule ideale Bedingungen bietet", so Naturschutzlandesrat Dr. Stephan Pernkopf. Der Habichtskauz findet in Schutzgebieten wie dem Wildnisgebiet Dürrenstein und in den Kernzonen im Biosphärenpark Wienerwald, urwaldartige Lebensräume und natürliche Brutplätze. Durch das Anbringen von Nistkästen wird ihm die Fortpflanzung auch in bewirtschafteten Wäldern erleichtert. „Das Habichtskauz-Projekt zeigt, dass Waldwirtschaft und Artenschutz kein Widerspruch sein müssen. Gute Voraussetzung, die Freilassung im Sommer 2011 (je nach Bruterfolg) mit zehn bis zwanzig Vögeln im Wildnisgebiet Dürrenstein im und Biosphärenpark Wienerwald fortzusetzen“, ergänzt Pernkopf.
…wo die Natur zu Hause ist
Leuchtend grüne Buchenwälder, 200 Jahre alte Baumriesen und mächtige Baum-Kathedralen, die dutzende Meter hoch in den Himmel wachsen bieten angesiedelten Habichtskäuzen wieder ein schützendes Zuhause. 2011 haben die Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr des Waldes erklärt. „In der nachhaltigen Waldwirtschaft spielt Artenschutz eine wichtige Rolle“, sagt Georg Erlacher, Vorstandssprecher der Österreichischen Bundesforste (ÖBf). Zur Freilassung braucht es naturnahe, strukturreiche Wälder, in denen die Käuze genügend Nahrung und geeignete Brutplätze finden. „Durch eine nachhaltige Waldbewirtschaftung und die Ausweisung von Schutzgebieten haben sich die Lebensbedingungen in den letzten Jahrzehnten zunehmend verbessert. Diese erfreuliche Entwicklung zur Wiederansiedelung der Habichtskäuze ist ein aktiver Beitrag, die ursprüngliche Fauna im Wald wiederherzustellen“, so Erlacher.
Starke Partner
Die Österreichische Zoo Organisation und der Verein Eulen und Greifvogelschutz züchten die Habichtskäuze und stellen sie kostenlos für die Freilassung zur Verfügung. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz. Die Stadt Wien unterstützt das Projekt auchtatkräftig durch die Anfertigung zahlreicher Nisthilfen und durch den Bau einer weiteren Auswilderungsvoliere. Die beiden Schutzgebiets-Verwaltungen im Biosphärenpark Wienerwald und im Wildnisgebiet Dürrenstein tragen substantiell zur Abwicklung des Projekts vor Ort bei.
Das Projekt wird durch ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Ausstellungen, Vorträgen, Foldern und eine eigenen Website unter www.habichtskauz.at begleitet.
Kontakt - Projektleiter:
Dr. Richard Zink
Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie
Veterinärmedizinische Universität Wien
Savoyenstrasse 1, 1160 Wien
E-Mail: habichtskauzfiwiat , Tel.: 0664-73783299
Downloads unter: www.habichtskauz.at
Projektträger:

Projektpartner:

