Oktober 2026: Naturschutz und nachhaltige Bewirtschaftung im Wienerwald

(Region Wienerwald, 22.10.2026): Seit 2023 betreut das Biosphärenpark Wienerwald Management im Auftrag des Landes Niederösterreich das Europaschutzgebiet „Wienerwald-Thermenregion“. Ziel ist es, wertvolle Lebensräume und gefährdete Arten zu erhalten – gemeinsam mit Land- und Forstwirtschaft sowie den Menschen vor Ort.

Der Wienerwald ist eine vielfältige Natur- und Kulturlandschaft mit wertvollen Wäldern, artenreichen Wiesen und seltenen Feuchtlebensräumen. Als Teil des europäischen Schutzgebietsnetzwerks Natura 2000 leistet das Europaschutzgebiet Wienerwald-Thermenregion einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt.

Natura 2000: Natur gemeinsam erhalten
Natura 2000 basiert auf den europäischen Naturschutzrichtlinien und verfolgt das Ziel, gefährdete Arten und Lebensräume langfristig zu erhalten und den Zustand der Lebensräume zu verbessern. Ein Europaschutzgebiet ist dabei keine Sperrzone: Land- und Forstwirtschaft bleiben grundsätzlich möglich, es gilt jedoch die festgelegten Erhaltungsziele zu berücksichtigen.

Das Biosphärenpark Wienerwald Management unterstützt als Schutzgebietsbetreuung die Umsetzung dieser Ziele. Durch fachliche Beratung, konkrete Pflegemaßnahmen und die Zusammenarbeit mit Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern sowie Bewirtschafterinnen und Bewirtschaftern werden geeignete und zukunftsfähige Lösungen für den Erhalt wertvoller Lebensräume entwickelt.

Nachhaltige Waldnutzung: Bewirtschaften und Lebensräume erhalten
Die Wälder des Wienerwaldes bieten Lebensraum für zahlreiche Arten, schützen Böden und Wasserhaushalt und liefern den nachwachsenden Rohstoff Holz. Nachhaltige Waldbewirtschaftung ist ein wichtiger Beitrag zum langfristigen Erhalt gesunder, stabiler und artenreicher Wälder. Gezielte Holzentnahmen ermöglichen es, die natürliche Verjüngung des Waldes zu fördern und die Stabilität gegenüber Schädlingen, Krankheiten und extremen Wetterereignissen zu verbessern. Gerade im Hinblick auf den Klimawandel ist es entscheidend, den Wald schrittweise zu einem klimafitten Wald weiterzuentwickeln: Durch die Förderung standortangepasster, vielfältiger Baumarten und unterschiedlicher Altersstrukturen kann seine Widerstandsfähigkeit gegenüber Hitze, Trockenheit und Stürmen erhöht werden. Gleichzeitig ist eine sorgfältige, naturschutzfachlich abgestimmte Bewirtschaftung wesentlich, um wertvolle Lebensräume, Totholzstrukturen und die biologische Vielfalt zu erhalten.

Die Waldbewirtschaftung steht daher nicht im Widerspruch zu den Erhaltungszielen des Europaschutzgebietes Wienerwald-Thermenregion. Entscheidend ist, dass sie fachgerecht geplant und durchgeführt wird und die geschützten Lebensräume und Arten nicht erheblich beeinträchtigt. Eine naturnahe Waldbewirtschaftung kann sogar zur Erreichung dieser Ziele beitragen, etwa durch die Förderung standortgerechter Baumarten und die Erhaltung strukturreicher Waldbestände. Ein Natura-2000-Gebiet bedeutet kein generelles Verbot forstlicher Eingriffe oder von Baumfällungen.

Wiesenbewirtschaftung ist aktiver Naturschutz
Neben den Wäldern sind die artenreichen Wienerwaldwiesen und -weiden ein wesentlicher Bestandteil des Europaschutzgebietes. Viele dieser Flächen sind über Jahrhunderte durch traditionelle landwirtschaftliche Nutzung entstanden. Ihre Artenvielfalt hängt davon ab, dass sie in geeigneter Weise gepflegt und bewirtschaftet werden.

Wird eine artenreiche Wiese nicht mehr gemäht oder beweidet, sammelt sich abgestorbenes Pflanzenmaterial an. Gehölze breiten sich aus und beschatten die Fläche. Mit der zunehmenden Verbuschung verschwinden lichtliebende Wiesenpflanzen und die daran gebundenen Insekten und anderen Tiere. Gleichzeitig kann auch eine zu intensive Nutzung, etwa durch übermäßige Düngung, wertvolle Lebensräume beeinträchtigen. Entscheidend ist daher eine standortangepasste Bewirtschaftung, die sowohl die landwirtschaftlichen Rahmenbedingungen als auch die ökologischen Anforderungen berücksichtigt.

Die Bewirtschaftung artenreicher Wiesen ist ein Beitrag zu den Zielen von Natura 2000 – sie ist für den Erhalt vieler dieser Lebensräume sogar unverzichtbar. Wichtig ist, dass die Nutzung an die Bedürfnisse der geschützten Arten und Lebensräume angepasst wird.

Schutzgebietsbetreuung setzt auf Zusammenarbeit
Ob im Wald oder auf der Wiese: Der Schutz der biologischen Vielfalt gelingt am besten, wenn Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft sowie Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer gemeinsam an Lösungen arbeiten. Die Schutzgebietsbetreuung schafft dafür eine fachliche Grundlage, vermittelt zwischen unterschiedlichen Interessen und unterstützt Maßnahmen, die den ökologischen Wert der Landschaft langfristig sichern.

Das Projekt "Schutzgebietsbetreuung und Modellentwicklung zum Wiesenerhalt im Europaschutzgebiet Wienerwald-Thermenregion" wird mit Unterstützung von Land und Europäischer Union umgesetzt.

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Schafe auf Weide

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Eine standortgerechte Bewirtschaftung ist unerlässlich für den Erhalt der wertvollen Wienerwaldwiesen.
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