Karpfen

Biofisch - Nachhaltiger Konsum in der Großstadt

Wenn man die Ottakringer Straße entlangspaziert und die Autos nur so vorbeibrausen, würde man gar nicht glauben, was sich nur wenige Meter weiter in einem ruhigen Hinterhof versteckt – der Ab Hof-Verkauf der „Vermarktungsgemeinschaft Biofisch“. „Gestern haben wir bis spät in die Nacht gearbeitet“, erzählt Marc Mößmer, einer der Mitbegründer, und schenkt sich noch schnell einen starken Kaffee ein, bevor wir mit dem Interview beginnen.

Nicht alleine stehen
Die Anfänge der „Arbeitsgemeinschaft Biofisch“ liegen im Jahr 1994, als es noch gar keine Richtlinien für die biologische Fischzucht gab. Marc Mößmer, gelernter und studierter Fischzüchter, hat sich einige Fischbauern und die damaligen Bio-Verbände „ins Boot geholt und einfach gestartet“, wie er erzählt. In Diskussionsrunden wurde über die Ausgestaltung der Richtlinien für die biologische Fischzucht debattiert. Heute, zweieinhalb Jahrzehnte später, wird noch immer debattiert – allerdings über anderes. Der Klimawandel beispielsweise sei ein, sprichwörtlich, heißes Thema: „Da müssen wir uns jetzt schon Gedanken machen, wie wir in Zukunft noch besser mit unserem Wasserverbrauch haushalten können.“

Die Arbeitsgemeinschaft, die aus rund zehn sehr aktiven Mitgliedern und einem größeren Kreis an Interessierten besteht, ist einerseits in der Verwaltung und andererseits in der Beratung tätig. Mitglied der Arbeitsgemeinschaft zu sein, zahlt sich durchaus aus: „Es gibt so viele Vorschriften – einer muss sich ja für die anderen Gedanken über das ganze Papierzeug machen.“ Auch lassen sich über die gemeinsame Vermarktungsplattform Spitzen und Engpässe in der Fisch-Produktion der einzelnen Betriebe ausgleichen und eine größere Produktpalette anbieten.

Fischer beim Abfischen

Biologische Fischzucht
Der Einsatz von chemisch-synthetischen Spritz- und Düngemitteln, Antibiotika, Wachstumshormonen oder biotechnologischen Methoden wie der Gentechnik ist in der Bio-Fischzucht verboten. Ohne diese Hilfsmittel muss man Problemen vorbeugen, bevor sie überhaupt entstehen können: „Die Prophylaxe ist sehr wichtig – damit die Fische gesund bleiben und sich nicht gegenseitig anstecken.“

Der geringere Fisch-Ertrag im Bio-Teich lässt sich durch den Besatz mit verschiedenen Fischarten ausgleichen. Bei Marc Mößmer tummeln sich bis zu fünfzehn verschiedene Arten im Teich. „Das ist faktisch Mimikry, also eine Nachahmung, des natürlichen Ökosystems. Die einzelnen Arten besetzen verschiedene Nischen und nutzen unterschiedliche Nahrungsressourcen.“

Marc Mößmer

Biofisch GmbH

Bergsteiggasse 5
1170 Wien
markt@biofisch.at
Tel: +43 (0)699/171 89 665
Fax: +43 (0)1/405 33 14

ARGE Biofisch
Dipl.-Ing. Marc Mößmer
marc.moessmer@biofisch.at

Der Karpfen – König in Sachen Nachhaltigkeit
Beim Rundgang durch den Betrieb zeigt uns Marc Mößmer die Becken, in denen die Karpfen in Wiener Hochquellwasser schwimmen. Einmal pro Woche werden sie aus dem Waldviertel, dem nächsten Produktionsgebiet für Karpfen, in Tanks nach Wien gebracht, wo sie frisch für die Kunden geschlachtet werden. Bis dahin werden die Becken ein- bis zweimal täglich mit frischem Wasser gefüllt und gereinigt. Gerade steht der Lehrling des Betriebes in überkniehohen Gummistiefeln im Becken und schrubbt die Seitenwände gründlich mit dem Besen.

So ein Karpfen ernährt sich während seines drei- bis vierjährigen Lebens hauptsächlich von Kleinstlebewesen, die er am Teichboden aufspürt. Deshalb ist es wichtig, auf die Besatzdichte zu achten, nur so kann das Potenzial des Teiches optimal genutzt werden. „Das kann man mit einer Weide vergleichen: Wenn man zu viele Tiere auf die Weide treibt, dann ist die Weide bald leergefressen.“ Nicht mehr entnehmen als nachwächst – ein Grundprinzip der Nachhaltigkeit.

Als Zufutter bekommt der Biofisch-Karpfen reines Getreide, denn der Karpfen kann, im Gegensatz zu Raubfischen wie Forelle, Saibling oder Lachs, auch Stärke verwerten. Raubfische hingegen stehen an der Spitze der Nahrungskette – damit ein Raubfisch ein Kilogramm an Gewicht zulegt, muss er zehn Kilogramm anderer Fische fressen. Denn von der in der Nahrung enthaltenen Energie kann nur ein kleiner Teil für den Aufbau eigener Körpermasse verwendet werden – großteils wird sie für die Aufrechterhaltung der Körperfunktionen und die Bewegung gebraucht. Im Hinblick auf die Nachhaltigkeit „sollte man den Raubfischkonsum deshalb eigentlich einschränken“, so Marc Mößmer.

Haslauerteich

Kommt direkt aus der Natur
Das hat Marc Mößmer erst kürzlich auf einer Lebensmittelverpackung gelesen. „Ja natürlich kommt es direkt aus der Natur – aber wie ist es denn sonst behandelt worden? Als Verbraucher hat man heutzutage die Möglichkeit, sich ein bisschen zu informieren, was hinter den verschieden Siegeln und Zertifikaten steht.“

Hechtflosse

Mehr Information zum Thema Gütesiegel für Fisch

bietet der jährlich herausgegebene Einkaufsratgeber von WWF.

https://fischratgeber.wwf.at/

Ähnliche interessante Inhalte