Falter auf Aster
Goldrute

Fakten

2010 – 2015 LE-Projekt
laufend

Umweltbundesamt

Österreichische Bundesforste

Neobiotamanagement im Biosphärenpark Wienerwald

Mit der Erschließung der Kontinente nach der Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus im Jahre 1492 und der darauffolgenden Etablierung des Welthandels nahm die menschenbedingte Verbreitung von Pflanzen, Tieren und Pilzen rund um den Globus ihren Lauf. Tausende Arten wurden seither in neue Regionen gebracht. Zum Teil ganz gezielt, um sich ihrer als Nutztiere oder Kulturpflanzen zu bedienen, vielfach aber völlig unbeabsichtigt. Organismen, die auf diese Art und Weise in ein neues Gebiet gelangen, werden als „Neobiota“ bezeichnet, aus dem Englischen auch als „Aliens“ (bzw. „alien species“ = „gebietsfremde Arten“) bekannt. Unter diesem Begriff werden pflanzliche, pilzliche und tierische Organismen zusammengefasst (= Neophyten, Neomyzeten und Neozoten).

Invasive Neobiota

Nur ein Bruchteil dieser „Neuankömmlinge“ schafft es überhaupt, sich dauerhaft in der neuen Umgebung zu etablieren und nur eine äußerst geringe Zahl von ihnen kann sich stärker vermehren. Allerdings finden einige raschwüchsige, wenig anspruchsvolle, aber besonders konkurrenzstarke Arten bei uns derart günstige Lebensbedingungen vor, dass sie heimische Arten verdrängen, Habitate dominieren und Ökosysteme verändern. Diese Problemarten nennt man „Invasive Neobiota“ oder „Invasive Alien Species“ (IAS), von denen sich manche gerade in den letzten Jahrzehnten immer stärker ausgebreitet haben. Einige Beispiele dafür sind Riesen-Bärenklau, Staudenknöterich-Arten, Drüsen-Springkraut, Kanadische Goldrute, Robinie, Götterbaum, Ambrosie (= „Ragweed“), Spanische Wegschnecke, Goldfisch oder Signalkrebs.

Neben der Zerstörung von Lebensräumen hält man die Verbreitung der gebietsfremden Arten für eine der Hauptursachen des allgemeinen Artenrückgangs. Neben den genannten ökologischen Schadwirkungen können durch Neobiota bisweilen auch beträchtliche wirtschaftliche Einbußen in Land- und Forstwirtschaft sowie gesundheitliche Risiken entstehen, beispielsweise können Riesen-Bärenklau und Ambrosie allergische Reaktionen auslösen.

Bei Klimaerwärmung im Vorteil

In letzter Zeit ist auch der Klimaaspekt mehr und mehr in den Vordergrund gerückt. Viele Neobiota sind wärmeliebende Arten, die unter der Temperaturzunahme verbesserte Bedingungen vorfinden könnten. Bei einer weiteren klimatischen Erwärmung in Mitteleuropa ist daher verstärkt mit der Ausbreitung gebietsfremder Arten zu rechnen.

Das Projekt

Im Rahmen eines Naturschutzprojektes widmeten sich die Österreichischen Bundesforste gemeinsam mit ihren Projektpartnern der Neobiota-Thematik sowohl auf theoretischer als auch auf praktischer Ebene. Hauptziel des Projektes war es, auf ausgewählten ÖBf-Flächen verschiedene Methoden zur Eindämmung von besonders invasiven Neophyten zu testen, um herauszufinden, wie die ausgewählten Flächen am effizientesten von diesen Arten befreit werden können und mit welchem finanziellen Aufwand die Tätigkeiten verbunden sind. Weiters wurden einschlägige Informationsveranstaltungen und Exkursionen für interessierte und betroffene Gemeinden und andere GrundbesitzerInnen durchgeführt und zum Abschluss eine Neobiota-Strategie für die Region des Biosphärenpark Wienerwald erarbeitet.

Ein Kriterium für die Auswahl der Neobiota für das Projekt war, dass bereits ausreichend Wissen zur Ökologie der Arten bzw. Erfahrung mit Bekämpfungsmethoden vorhanden ist. Zielarten waren demnach Japan- und Sachalin-Staudenknöterich, Riesen-Bärenklau, Drüsen-Springkraut, Robinie und Götterbaum sowie Gelb- und Rotwangen-Schmuckschildkröte, Signalkrebs, Waschbär, Marderhund und Goldfisch. Für die genannten Tierarten waren aber wie auch beim Götterbaum keine Eindämmungsmaßnahmen geplant. Vielmehr lag das Augenmerk hier auf der Aufklärung über die Vermeidung des Aussetzens weiterer Tiere, wie im Falle von als Haustiere gehaltenen Goldfischen und Schmuckschildkröten.

Auf den Riesen-Bärenklau Versuchsflächen des Projekts ließen sich mit Hilfe eines Graders (eine Forstmaschine zur Forststraßensanierung) durch Abschieben des Straßenrandes, an dem Riesen-Bärenklau vorkam, sehr gute Erfolge erzielen. Auch das händische Ausgraben und -stechen der Pflanzen funktionierte gut. Hierbei besteht jedoch ein erhöhtes gesundheitliches Risiko durch Hautkontakt. In beiden Fällen sind mit der Umsetzung der Maßnahme hohe finanzielle Aufwände verbunden.

Bei Sachalin-Staudenknöterich brachte das aufwändigere Ausreißen der Pflanzen verglichen mit Mähen den größeren Erfolg. Der sonstige Bewuchs der Fläche blieb erhalten und konnte die vom Knöterich befreite Fläche einnehmen. Es wird erwartet, dass im Gegensatz zur Behandlung der Riesen-Bärenklau-Flächen die ehemaligen Staudenknöterich-Flächen langfristiger beobachtet und nachbehandelt werden müssen.

Drüsiges Springkraut wurde auf einem Holzlagerplatz durch Ausreißen bekämpft. Bereits im Folgejahr der Maßnahme konnte eine deutliche Reduktion des Springkraut-Bestandes festgestellt werden. Um einen aufwendigen Abtransport des Materials zu vermeiden, wurde dieses auf der Forststraße aufgebreitet und mit einem Traktor mehrmals überfahren. Das angehäufte und abgelagerte Material wurde in den Folgewochen auf etwaiges Austriebsverhalten kontrolliert. Auch bei drüsigem Springkraut rechnet man mit längerfristigen Nachkontrollen, um einen bleibenden Erfolg sicherzustellen.

Auf der Robinien-Projektfläche konnte die aus der Literatur bekannte Methode des Ringelns bei gleichzeitigem Belassen eines Stegs von ca. drei bis fünf Zentimetern, der im Folgejahr entfernt wird, als geeignete Bekämpfungs-Methode bestätigt werden.

Als Neobiota-Strategie für den Wienerwald wurden durch die Bundesforste die zentralen Punkte: Information und Vernetzung, Bekämpfung und Monitoring erkannt. Mit GrundeigentümerInnen muss vorab deren Bereitschaft für Bekämpfungsmaßnahmen abgeklärt werden.

Für die Auswahl von Bekämpfungsflächen sind folgende Kriterien wesentlich:

  • Flächengröße und Abgrenzung
  • Gesundheitsgefährdung der zu bekämpfenden Art
  • Naturschutzfachlicher Wert der Fläche
  • Effektivität der Bekämpfungsmethode
  • Kostenaufwand
  • Nachbarflächen

Für jede Art ist zu ermitteln, ob sie als Erstbesiedler, d.h. in einem Initialstadium der Art in der Region („Knock on-plants“) auftritt und wie ihr Einfluss auf die Region einzustufen ist.

Auch nach dem Projektende werden Informationsveranstaltungen und die Betreuung ausgewählter Neophyten-Standorte weitergeführt. Bei Interesse an einer Informationsveranstaltung wenden Sie sich bitte an office@bpww.at.

Informationen zur Finanzierung

  • LE-Fonds: EU, BMFUW, Land NÖ, Land Wien
  • Land NÖ - RU7 Abteilung Raumordnung und Gesamtverkehrsangelegenheiten
  • Österreichische Bundesforste
LE-Förderlogo Wien + NÖ 07-13

Downloads

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Neobiota Steckbriefe

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Broschüre "Aliens aus dem Garten"

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