Biosphärenpark Wienerwald erleben: Naturvielfalt bei den Frühlingsexkursionen
Das Biosphärenpark Wienerwald Management startete in die diesjährige Exkursionssaison und lud Naturinteressierte dazu ein, die vielfältigen Lebensräume des Wienerwalds hautnah zu entdecken. Ob entlang von Fließgewässern, auf artenreichen Wiesen oder bei Vogelbeobachtungen, die Führungen boten spannende Einblicke in die Natur direkt vor der Haustür und zeigten eindrucksvoll, wie wertvoll und schützenswert diese Lebensräume sind.
Gewässer im Wienerwald entdecken
Den Auftakt machte die Exkursion „Gewässer – erleben und verstehen“ in Wien-Penzing. Rund 20 TeilnehmerInnen erkundeten den Halterbach entlang der Karl-Bekehrty-Straße. Im Mittelpunkt standen die Besonderheiten der Wienerwaldgewässer: von der Struktur naturnaher Bäche über typische Bewohner bis hin zu Bedrohungen und notwendigen Schutzmaßnahmen. Auch invasive Pflanzenarten wie der Japanische Staudenknöterich wurden thematisiert. Ein besonderes Highlight war die gemeinsame Erforschung des Halterbachs. Ausgerüstet mit Keschern entdeckten die TeilnehmerInnen Eintagsfliegen- und Köcherfliegenlarven, Bachflohkrebse und viele weitere kleine Wasserlebewesen, die als wichtige Zeiger für die Gewässerqualität gelten.
Kurz darauf führte eine gemeinsamen Radexkursion mit der LEADER-Region Triestingtal+ entlang des Helenentalradwegs zur Schwechat. Unter dem Motto „Mit dem Rad die Lebensader Schwechat erkunden“ machten sich zahlreiche – darunter viele Familien mit Kindern – auf den Weg, um den Fluss als wertvollen Lebensraum kennenzulernen. Bei traumhaftem Wetter erfuhren die Teilnehmenden Wissenswertes über die Tier- und Pflanzenwelt der Schwechat, ihre Gewässerstruktur und die ökologische Bedeutung naturnaher Fließgewässer. Ergänzt wurde die Tour durch spannende historische Geschichten über das Helenental. Auch der Sportfischereiverein Baden gestaltete eine Station entlang der Strecke. Für besondere Begeisterung sorgte erneut die praktische Erforschung des Flusses: Mit Keschern ausgestattet entdeckten die TeilnehmerInnen Steinfliegen- und Libellenlarven – und sogar eine Würfelnatter.
Artenreiche Wiesen und ihre Bewohner
Neben den Gewässern standen im Mai auch die artenreichen Wiesen des Wienerwalds im Fokus. Den Beginn machte am 2. Mai 2026 eine Orchideenführung in Breitenfurt bei Großhöniggraben. Wiesen und Weiden zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas – und genau diese Vielfalt konnten die 19 TeilnehmerInnen eindrucksvoll erleben. Im Mittelpunkt standen heimische Orchideenarten und ihre besonderen Lebensraumansprüche. Der Orchideenexperte Norbert Novak erklärte anschaulich, warum viele dieser Arten auf eine extensive und schonende Bewirtschaftung angewiesen sind. Besonders beeindruckend waren Funde des Pracht-Manns-Knabenkrauts sowie der Frühlings-Hundswurz. Gleichzeitig vermittelte die Führung spannende Einblicke in den praktischen Orchideenschutz und machte deutlich, wie wichtig der Erhalt naturnaher Wiesenflächen ist.
Am zweiten Mai-Samstag führte eine weitere Exkursion rund 20 TeilnehmerInnen auf die Eichwiese im Gütenbachtal in Wien-Liesing. Gemeinsam mit dem Experten Wolfgang Kantner von BirdLife Österreich standen diesmal die Vogelwelt und die Besonderheiten dieses einzigartigen Wiesengebiets im Mittelpunkt. Die Eichwiese zählt zu den schönsten und ökologisch wertvollsten Wiesen Wiens. Seltene Pflanzenarten wie die Feuchtwiesen-Pracht-Nelke oder der Silber-Rohrkolben haben hier ihre einzigen Wiener Vorkommen, das Süd-Lungenkraut kommt österreichweit sogar ausschließlich an diesem Standort vor.
Große zusammenhängende Wiesenflächen wie jene der Eichwiese sind besonders wichtig für viele Vogelarten, da sie Nahrung, Schutz und Brutplätze zugleich bieten. Die TeilnehmerInnen erfuhren unter anderem Wissenswertes über den europaweit vom Aussterben bedrohten Wachtelkönig, der auf spät gemähte Wiesen angewiesen ist, um seine Jungen erfolgreich aufzuziehen. Zwar ließ sich der scheue Vogel bei der Exkursion weder sehen noch hören, dennoch bot die Führung zahlreiche spannende Beobachtungen: Mäusebussarde und Turmfalken kreisten über den Wiesen auf Beutejagd, und als besondere Überraschung konnte sogar ein männlicher Neuntöter beobachtet werden, eine in dieser Gegend seltene Vogelart. Mit seinem markanten schwarzen Augenstreif und dem grauen Kopf war er gut zu erkennen. Die TeilnehmerInnen erfuhren außerdem Interessantes über seine außergewöhnliche Jagdtechnik, bei der er Beutetiere auf Dornen aufspießt, um Vorräte anzulegen.
Natur entdecken und verstehen
Die Exkursionen zeigten eindrucksvoll, wie vielfältig und faszinierend die Lebensräume des Wienerwalds sind und wie wichtig ihr Schutz für Pflanzen, Tiere und Menschen gleichermaßen ist. Gleichzeitig boten die Veranstaltungen die Möglichkeit, Natur nicht nur theoretisch kennenzulernen, sondern selbst aktiv zu entdecken und zu erleben. Die große Begeisterung der TeilnehmerInnen macht Lust auf weitere spannende Exkursionen in den kommenden Monaten. Wer selbst die Natur im Wienerwald entdecken möchte, findet alle aktuellen Termine und Informationen zu kommenden Exkursionen im Veranstaltungskalender. Dort werden laufend neue Führungen und Veranstaltungen des Biosphärenpark Wienerwald Managements und seiner BildungspartnerInnen angekündigt.
Die Exkursionen in Niederösterreich fanden im Rahmen des Projekts „Naturraummanagement im niederösterreichischen Teil des Biosphärenpark Wienerwald“ statt und werden gefördert vom Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes sowie dem Land Niederösterreich.
Die Exkursionen in Wien fanden im Rahmen des Projekts „Erhaltung und Förderung der Biodiversität im Wiener Teil des BPWW“ statt und werden gefördert vom Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes sowie dem Land Wien.